Darf nicht Milch heißen und ist trotzdem erfolgreicher

Inzwischen gibt es in fast allen Einkaufsstätten Hafer-, -Soja- oder -Mandelmilch. Durch diese bessere Verfügbarkeit kauften die Kunden  2019 ein gutes Drittel mehr pflanzliche Drinks als im Vorjahr. 30% Wachstum! Der Kundenstamm für Pflanzenmilch verändert sich: Griffen zunächst Kunden mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu den pflanzlichen Alternativen, entscheiden sich jetzt immer mehr Menschen aus Umwelt- oder ethischen Gründen für Hafermilch und Co. Biohersteller waren die Vorreiter, aber jetzt geht der Markt mehr in die Breite. Ein Großteil der Pflanzenmilch, den die Kunden 2019 einkauften, stammt aus Bio-Herstellung. Der Bio-Anteil an allen verkauften Milchimitaten lag 2019 bei 68 % . Dieser sank von 86 % im Jahr 2012, da auch mehr konventionelle Produzenten in den Markt einstiegen.

Ähnlich bei Fleisch. Umwelt- oder ethische Gründe stehen häufig auch hinter den Kaufentscheidungen für Fleischersatz-produkte. Der Bio-Anteil bei Fleischersatzprodukten lag 2018 bei gut 40 %.  Der Fleischersatzmarkt entwickelte sich in letzter Zeit vor allem im konventionellen Bereich dynamischer, während die Nachfrage bei Bio sogar leicht zurückging. Zuletzt verlieh ein Burger aus Erbsenprotein dem Fleischersatz wieder Auftrieb. Andere konventionelle Hersteller und auch Bio-Hersteller zogen mit ihren Alternativ-Produkten nach. Besonders hoch in der Gunst der Kunden standen heimische Rohstoffe.

Sowohl Fleisch- als auch Milchersatzprodukte greifen den Wunsch der Kunden nach nachhaltiger, klimaschonender und tierschützender Ernährung auf. Mit heimischen Rohstoffen wie Hafer und Erbsen kann die Nachfrage nach regionalen Produkten bedient werden, die bei allen Käufergruppen besonders hoch war.

Was der Einzelhandel mit Zahlen belegt, kann auch anderswo beobachtet werden. Der Cappocino im Straßencafe kommt mit Hafermilch, der Türke auf der Ecke bietet nicht nur Falaffel sonder auch Veggie-Döner und der No-Meat-Burger ist ganz vorne auf der Menükarte gelandet.

Während die Bevölkerung sich aus veschiedenen Gründen zunehmen für eine (teilweise) pflanzliche Ernährung entscheidet, streitet sich dIe Politik, ob die Produkte Milch, Käse oder Fleisch heißen dürfen. Als könne die Lobby der Milch- und Schlachtgiganten die Entwicklung damit aufhalten.